Pläne für einen Technologiepark in Harburg sind Flickwerk

Der Senat plant, in Hamburg vier Technologieparks (Altona, Bergedorf, Finkenwerder und Harburg) zu errichten, um die Stadt zu einer bedeutenden Metropole für Wissenschaft und Forschung zu entwickeln (Drucksache 21/12248, Link zur Drucksache s. unten).
Insbesondere Harburg mit seiner TU soll davon profitieren.
Es geht dabei im Süden im wesentlichen um die Flächen an der „Schlachthofstraße“, dem Binnenhafen, dem Kleingarten „Am Radeland“ und dem hit-Technopark in Bostelbek, die für diese Entwicklung genutzt bzw. vergrößert werden sollen.
Der Binnenhafen ist kein wirklicher Technologiepark, die Ausrichtung der dortigen Firmen ist zu unterschiedlich.
Es soll aber dort mit dem „Hamburg Innovation Port“ durch einen privaten Investor ein Inkubator geschaffen werden, der für alle genannten Flächen ein Funktion haben soll.
Lediglich der hit-Technopark gilt als ein Technologiepark, der eine relativ kleine Erweiterungsfläche bekommen soll.
Die Flächen an der „Schlachthofstraße“ und „Am Radeland“ sind neue, zusätzliche Flächen.

Es gibt die Studie „Potenziale und Bedarfe für Forschungs- und Innovationsparks in Hamburg“ aus 2015 (Link zur Studie s. unten), die von der Wirtschaftsbehörde in Auftrag gegeben wurde.
Dort wird für die Standorte Altona, Bergedorf und Harburg (Finkenwerder wird nicht betrachtet) formuliert: „Die Standorte sollten perspektivisch (bezogen auf 20 Jahre) ein Flächenpotenzial von jeweils ca. 20 bis 30 Hektar (netto) zuzüglich potenzieller Erweiterungsmöglichkeiten umfassen. Ein klassisches Technologieparkkonzept mit den skizzierten Entwicklungsphasen (Inkubator (Gründungen), Technologiezentrum, Fläche) kann nur an den Standorten umgesetzt werden, wo entsprechende Flächen entwickelt und vorgehalten werden können. Der grobe Abgleich mit der aktuellen Flächensituation an den drei Hamburger Standorten Altona, Harburg und Bergedorf macht deutlich, dass derzeit jedoch kaum ausreichend Flächen für die Umsetzung von Forschungs- und Innovationsparks gesichert sind.“

Da in der Studie als mögliche zusätzliche Fläche in Harburg lediglich die Fläche an der „Schlachthofstraße“ (ca. 6 ha) genannt wird, hat der Senat in seiner Drucksache noch die Fläche der Kleingärten „Am Radeland“ (ca 10 ha) hinzugefügt.
Trotzdem wird der in der Studie genannte Flächenbedarf nicht befriedigt.
Was so zustande kommt ist ein Flickenteppich aus kleinen Flächen, zerrissen und teilweise unattraktiv gelegen zwischen Bahngleisen und Raffinerie und an einer Autobahn, ohne Erweiterungsmöglichkeiten und genug Grün, um einen parkähnlichen Campus zu gestalten.
Die Kleingärtner auf der Fläche „Am Radeland“ müssen vertrieben werden (ausgerechnet von der SPD und den GRÜNEN), womit viel Grün verloren geht.
Vertrieben werden müssen auch die Bewohner auf der Erweiterungsfläche für den hit-Technopark.

Es gäbe eine attraktive Alternative.
Die Hafenerweiterungsfläche in Moorburg-Mitte (ca. 170 ha) liegt unmittelbar am hit-Technopark, ist zusammenhängend, im Eigentum der Stadt, unbebaut sodass niemand verdrängt wird, hat Autobahnanschluß, ein attraktives Quartier mit vielen erschlossenen aber unbebauten Grundstücken und mit dem Moorburger Berg am südlichen Rand von Altenwerder ein 35 ha großes, grünes Naherholungsgebiet am Standort.
Alles, was man braucht, um einen räumlich offenen, zusammenhängenden Technologiepark als grünen Campus zu bauen, der auch über Erweiterungsflächen verfügt, ist vorhanden. Nur hier könnte der in der Studie formulierte Flächenbedarf für einen Technologiepark befriedigt werden.
Mit dieser Fläche könnte ein wirklicher Stadtteil für Forschung und Innovation entwickelt werden, der international Strahlkraft hätte.
Aber diese Fläche findet in dem Technologiepark-Konzept nicht statt.
Der Grund liegt in den Planungen zur A 26-Ost, die eine Verbindung zur A1 herstellen soll und im wesentlichen für den Hafen geplant wird.
Diese Trasse würde zum hit-Technopark eine Grenze bilden und damit, und mit ihrer optischen Präsenz und ihren Emissionen, die große Fläche insgesamt unbrauchbar machen für eine Nutzung für einen Technologiepark.
Ein Beleg dafür, dass jedenfalls im Süden der Strukturwandel nicht stattfindet.
Obwohl klar ist, dass die Prognosen zum Container-Umschlag des Hafens und dem Verkehrsaufkommen, mit denen die Trasse gerechtfertigt wird, auch langfristig nicht erreicht werden, wird an diesem Projekt festgehalten. Außerdem gibt es eine Alternative zur Trasse, indem man einen Tunnel gräbt vom Veddeler Damm auf der Haupt-Hafenroute zur A 252, von der aus dann die A1 erreicht werden kann.
In der Abwägung zwischen Wissenschaft/Forschung und Hafen wird sich, gegen alle Fakten, immer noch für den Hafen entschieden.
Mit dem Festhalten an der A 26-Ost wird auf direkte Weise die Zukunftsfähigkeit der Stadt gefährdet…

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